Terror, Tod und Taliban
Ist Afghanistan zu retten?
Ein Film von Ghafoor Zamani | ARD 2008 | 30 min.
In Afghanistan herrscht einen internationaler Krieg, der nicht zu gewinnen ist. Über 40 Länder sind daran beteiligt. Der Westen und seine Allierten - und die Taliban, islamistische Fanatiker. Die Suche nach einem Anführer der Taliban führt hunderte Kilometer über Schleichwege zwischen den Fronten. Zwischen den Fronten versteht man Afghanistan am besten. Dort ist Afghanistan die Hölle.
Von Kabul aus reisen Ghafoor Zamani und sein Team über viele Umwege 500 Kilometer weit in den Süden Afghanistans. Sie sind auf der Suche nach Maulawi Idris, einem geistlichen Oberhaupt der Taliban. Er soll ihnen die Perspektive der Taliban auf Krieg und Religion erklären.
Zugleich sind weitere Kameramänner in den von den Taliban kontrollierten Gebieten im Auftrag des Teams unterwegs. Denn die Taliban lassen es nicht zu, dass Leute, die von außerhalb kommen, dort drehen. Diese Kameramänner –oder ihre Familien- stammen aus diesen Gebieten. Deshalb lassen die Taliban dort arbeiten- unter ihrer Aufsicht. Verlassen können sie die Taliban-Gebiete nicht - sonst würden sie verdächtigt, mit dem Westen oder mit der Regierung Karzai zu kooperieren. Deswegen vereinbart das Team mit diesen Kollegen versteckte Treffen, um das Filmmaterial abzuholen. Es sind Bilder von Talibankriegern, die afghanische und internationale Truppen angreifen, Militärfahrzeuge zerstören, Soldaten und mutmaßliche Agenten verhaften und ihnen die Kehlen durchschneiden. Szenen von solch extremer Gewalt werden wir nicht zeigen. Jedoch thematisieren wir anhand dieses Filmmaterials, wie die Taliban Angst und Schrecken verbreiten.
Die Doku-Reportage wechselt immer wieder zwischen Szenen von beiden Seiten der -physisch unsichtbaren- Front. Wir berichten vom Alltag der Afghanischen Nationalarmee (ANA), aber auch vom Alltag der Taliban und dem Krieg, der sich nicht auf den Süden beschränkt, sondern direkt vor der Hauptstadt endet.
Kommando, die Anti-Guerilla-Einheiten der ANA, ist die bestbezahlte und bestgeschulte afghanische Truppe. Allerdings spielt der Islam als Wertebezug in der Armee eine fast ebenso große Rolle wie bei den Taliban. Auch in der Afghanischen Nationalarmee gibt es kein demokratisches oder laizistisches Selbstverständnis. Die Predigten von Jalahudin Ajubi, Oberst und gleichzeitig Maulawi (Geistlicher) in der Kommado-Einheit, ähneln doch stark denen des Maulawi Idris bei den Taliban.
Trotzdem stellt Kommando, diese Eliteeinheit, für die internationale Gemeinschaft eine Hoffnung dar, das Land verteidigen oder zumindest stabilisieren zu können. Denn das Gros der afghanischen Armee ist eigentlich nur ein Mischmasch aller ethnischen, religiösen und sonstigen Interessensgruppen der Gesellschaft. Korruption und Vetternwirtschaft erschweren den Kampf gegen Terror und Taliban.
Unterwegs nach Süden treffen wir Menschen, die über die Lage der Bevölkerung zwischen den unsichtbaren Fronten berichten. Täglich müssen zehntausende von Herat an der Iranischen Grenze über Helmand, Kandahar oder Sabul nach Kabul und zurück. Sie berichten, dass die Popularität der Regierung Karzai in Afghanistan, ebenso wie die der ausländischen Truppen, tief in den Keller gesunken ist. Beide können Afghanistan nicht vor der Gewalt der islamischen Fanatiker schützen. Diese betreiben eine bewusste Strategie des Terrors auch gegen die eigenen Landsleute: Wer auf irgendeine Weise mit der Kabuler Regierung und den ausländischen Truppen zusammenarbeitet, dem wird vor laufender Kamera die Kehle durchgeschnitten.
Doch die einfachen Afghanen werden nicht nur von den Taliban traumatisiert, sondern auch von der korrupten Regierungspolizei und der Armee schikaniert.
Schließlich trifft das Team den Taliban-Geistlichen Maulawi Idris in Dehsabs, dem „Grünen Dorf“, im Niemandsland Südafghanistans.
Da die Fronten im Krieg am Hindukusch unsichtbar geworden sind, bleibt die einzige Hoffnung, dass die Afghanen ihren Kampf gegen Taliban und Terror selbst gewinnen. Dieser Kampf wird Ende August in Kabul in eine neue Phase treten. Dann sollen die Truppen der internationalen Gemeinschaft sich ganz aus der Hauptstadt zurückziehen und ihre Verteidigung allein der ANA –und ihrer Eliteeinheit Kommando -überlassen.









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