Mohnkinder
Afghanistan zwischen Romantik und Realität
Ein Film von Ghafoor Zamani | 3sat 2008 | 6 min.
Wer wäre nicht von der schönen Seite Afghanistans fasziniert? Orientalischer Flair und blühenden Landschaften, stolze, gastfreundliche Menschen und schneebedeckte Gipfel lassen die Gedanken an Krieg und Not erst gar nicht aufkommen. Blühende Landschaften - Rosen oder Mohn, das macht keinen ästhetischen Unterschied. Doch das Schöne und das Hässliche liegen dicht beieinander.
Mohnbauer Wadud ist eigentlich Lehrer. Doch von dem spärlichen Gehalt von 20 Euro im Monat kann auch in Afghanistan niemand leben.
"Keiner nimmt auf meine Situation Rücksicht. Es fragt mich keiner, ob ich etwas zu essen zuhause habe, oder wie es meinen Kindern geht. Sie vernachlässigen die Schule, weil sie mir oft auf dem Feld helfen müssen. Wir wissen, dass es Computer und Internet gibt. Doch meine Kinder müssen vor und nach der Schule Mohnpaste sammeln, statt zu spielen."
Waduds Sohn, Morad, muss schon vor der Schule Opium ernten. Wenn die Kapseln am Tag davor eingeritzt sind, muss er am nächsten Tag den Saft abstreichen. Auch sein Bruder Wakil steht zwei Stunden, bevor die Schule anfängt, auf dem Feld. Frische Opiumpaste ist extrem giftig. Eingenommen reicht eine winzige Menge, um einen Menschen zu töten. Oft arbeiten auch Waisenkinder auf den Feldern. In den 30 Jahren, die der Krieg währt, sind 1,5 Millionen Afghanen getötet worden. Rahman, Karim und Dad Mohammed sind Kriegswaisen. Sie verdienen ihr Taschengeld auf den Mohnfeldern. "Wir sind immer früh morgens hier", sagt Rahman. Und Karim erklärt: "Wenn wir früh aufstehen, ernten wir hier, dann verkaufen wir das Zeug in der Stadt und kaufen davon Eis."
Eiscreme essen, Fernsehen und Gameboy spielen - afghanische Mohnkinder haben Wünsche wie die Kinder im Westen. Dank der Opiumwirtschaft können sie sich etwas leisten, sind sie im 21. Jahrhundert angekommen. Die Mohnkultur änderte radikal die Lebensweise der Afghanen.
Wenn es aber nicht bald gelingt, Bauern wie Wadud eine dauerhafte und tragfähige Existenz außerhalb des Mohnanbaus zu bieten, werden die Kinder des Mohns zum Fußvolk der Drogendealer, einer korrupten Regierung und der Taliban.







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